PUBLIKATIONEN:

Die Geburt des Monotheismus im alten Iran

Ahura Mazda und sein Prophet Zarathushtra

 

 

 

 

 

 


Die Mehrzahl der damit befassten Iranisten und Indologen vertritt seit langem, dass Ahura Mazda, der von Zarathushtra um etwa 1000 vor unserer Zeitrechnung verkündete Monotheos, sich aus dem selben Gott entwickelte wie der vedische Asura Varuna des nachbarlichen Indien. Mit weiteren, insbesondere psychologischen Argumenten unterfüttert, erweist sich diese „Gleichung“ als einzigartige Chance, die Entstehungsgeschichte des altiranischen Monotheismus zu rekonstruieren. Denn das eher knappe Quellenmaterial Irans erhält dadurch Licht aus den schier unerschöpflichen Befunden zum Varuna Altindiens.

Nicht nur die Narrenrolle Varunas im indischen Theater, auch Varunas gefürchteter Groll, seine Gespaltenheit in hier lichte, dort finstere Züge, seine hehren moralischen Ansprüche, seine Weltflüchtigkeit, ... sein gestörtes Verhältnis zu Frauen: Alle diese Züge haben ihr klares Pendant im Ahura Mazda des iranischen Propheten.

Und dennoch wurde der alte Gott in Zarathushtras Offenbarungen nun ein völlig anderer. Der einstige Sonderling in einer ansonsten illustren polytheistischen Göttergesellschaft mutierte jetzt zum schweigenden, transzendenten und streng richtenden Patriarchen und Autokraten. Da vom Bösen durchsetzt und insoweit misslungen, müsse seine Schöpfung, die jetzige Welt, dereinst mit glühendem Metall vernichtet werden – um dann endlich und im zweiten Versuch eine neue und jetzt zur Gänze geglückte Welt anbrechen zu lassen. – Auch die Mechanismen dieser Transformation erschließen sich durch die Psychologie des Varunischen ...
 
Wilhelm Fink Verlag, Paderborn, 2014 (März). 400 Seiten. 49.90 €

Zweite Auflage 2015

 

 

 

 

 

 

 

Harald Strohm verbindet die Gelehrsamkeit eines Veda-Forschers mit dem Wissen der heutigen Psychologie über die frühkindliche Entwicklung ... Seit Mircea Eliade hat niemand die archaische Religion mit solcher Präzision und Verve dargestellt, interpretiert und zu bedenken gegeben.

                            Bernhard Lang, Neue Zürcher Zeitung



So lässt uns dieses Buch aus tiefer Vergangenheit in unsere Gegenwart blicken, wo so viele Kriege im Namen von Einzelgöttern geführt werden. Zugleich erinnert Harald Strohms heiter gestimmte, ebenso gelehrt wie leicht geschriebene Darstellung ... an die verlorene Epoche der kindlichen fröhlichen Götter.

                            Manfred Schneider, Deutschlandfunk



Strohm verfolgt die historische Entwicklung von Varuna, dem Anführer des polytheistischen Indo-iranischen Pantheons, und zeigt schlagend wie er zu Zoroasters monotheistischter Gottheit Ahuramazda wurde. – Ahuramazda hat später, zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, prägend auf den Monotheismus der hebräische Bibel und damit auf das Christentum und den Islam gewirkt.

                            Michael Witzel, Harvard University



Als Entwicklungspsychologe bringt Harald Strohm Bewegung in die Frühgeschichte der indoiranischen Religion. Ein ganz besonderes Verdienst ist die Reproduktion des dem frühen 8. Jahrhundert entstammenden Wandbilds von Pandjikent (Tadjikistan).


                            Helmut Humbach, Universität Mainz †

Rezension:
Die Presse, Wien
diepresse.com/home/science/4801187/Religion_Vom-Einzelgaenger-zum-einzigen-Gott)

Mithra

oder: Warum 'Gott Vertrag' beim Aufgang der Sonne in Wehmut zurückblickte

 

 

 

 

 

 

Der römische Mithraskult kann als eine Art Sonde in die Entstehungsverhältnisse des Christentums aufgefaßt werden. Die Ähnlichkeit beider "Kulte" wurde durch neuere Befunde, wurde aber auch schon in der Antike erkannt und bot Kirchenvätern Anlaß, die Bräuche der Mithrasmysten als freche Nachäffung zu verurteilen. Jüngere Recherchen sprechen für die umgekehrte Reihenfolge: der Mithraskult ist eher älter.
      Die Forschung der letzten Jahrzehnte fokusierte zumal die astrologischen Aspekt des Mithraskults; mit spektakulären, bisweilen aber nur ephemeren Ergebnissen. Im vorliegenden Band wird die vernachlässigte psychologische Fährte aufgenommen. Sie führt in klarer Linie hinab in die "tieferen" Schichten des "Unbewußten" und erweist die reiche Bilderwelt des römischen Kults Detail für Detail als Ausdruck alter Schöpfungsmythen; Schöpfung dabei verstanden im Sinn von ‚Eröffnung der Welt in den Phasen der frühen Kindheit'. So beleuchtet erhellt zugleich, daß der römische Kult zwar astrologisch überformt war, im Kern aber uralte, ins zweite Jahrtausend zurückverfolgbare indo-iranische Traditionen fortführte. In ihnen war das symbolische Opfer eines Gottessohnes und sein Wiederauferstehen in die Welt des Vaters zentrales Element ...


      The Roman cult of Mithras can be understood as a kind of probe into the circumstances surrounding
the origin of Christianity. The similarity between both "cults" has been shown by recent findings, but was already recognised in ancient times and gave the Church fathers the opportunity to condemn the traditional customs of the Mithras system as brash mockery. Recent research proves the opposite to be true: the Mithras culture is more likely older.
      Particularly, the research of the last decades has focussed on the astrological aspect of the cult of Mithras, with spectacular but sometimes merely ephemeral results. In the present volume the central focus lies on the neglected psychological aspect. A clear line of evidence leads into the "deeper" layers of the "unconscious" and proves the rich world of imagery of the Roman cult to be an expression of an old myth of creation in every detail; here, creation refers to ‚opening up the world during the phases of early childhood'. Examined in this light, it becomes clear that the Roman cult may appear astrologically shaped, but at the core ancient Indo-Iranian traditions reaching back into the 2nd century have continued. These have as their central element the symbolic sacrifice of the son of God and his resurrection into the world of the father …


 
Wilhelm Fink Verlag, Paderborn, 2008. 39,00 €;

Über den Ursprung der Religion

oder: Warum Indra mit dem Dreirad zur Hochzeit fuhr

 

 

 

 

 

 

Die erhaltenen Textzeugnisse der frühen Religionsgeschichte sind in ihren Inhalten oft erstaunlich kulturübergreifend. Zumal die Helden und Götter haben sonderbar stereotype Abenteuer zu bestehen:
Sie müssen Höhlen aufbrechen, Drachen erlegen, Himmel und Erde auseinanderstemmen, Ödland begrünen und bevölkern. Anders als in den Weltuntergangsszenarien der späteren Erlösungsreligionen sind diese Abenteuer dabei fast durchweg im Modus des "Es war einmal ..." verfaßt und im morgenrot-dämmrigen Urzustand der sich erst entfaltenden Welt verortet. - Woher die globale Konvergenz der frühen Mythen?
      Quelle und Adressat der einstigen Schöpfungsreligionen sind jene seelischen Schichten, die mit frühester Kindheit korrespondieren; genauer: mit den Erlebniswelten jenseits der Grenze der frühkindlichen Amnesie. Schlüssel zur Entzifferung muß deshalb die moderne Säuglings- und Kleinkindforschung sein. Textbasis und gleichsam "Leitfossil" sind die Kultlieder des altindischen Rigveda (ca. 1500 v. Chr.). Deren herausragender Schöpfungsheld ist Indra, der Gott, der mit dem Dreirad zur Hochzeit fuhr...

Rezensionen:
International Review of Biblical Studies, 49
Neue Zürcher Zeitung
psychologie heute
Archäologie in Deutschland
Sakrament und Sakrileg
u.a.


Wilhelm Fink Verlag, Paderborn, 2003. 29,90 €; 50,80 sFr (ISBN 3-7705-3795-5)

Die Gnosis und der Nationalsozialismus

Eine religionspsychologische Studie

 

 

 

 

 

 

Harald Strohm wirft einen Blick auf die ideologischen Traditionen, an die der nationalsozialistische "Mythus
des 20. Jahrhunderts" (Alfred Rosenberg) anknüpfen konnte. Seine religionspsychologische Studie führt zurück bis zu den gnostischen Strömungen der Antike.
In der Diesseitsverachtung und Lebensangst der Erlösungsreligionen findet er dualistische Denkmuster,
die sich - aufgegriffen und popularisiert durch die Esoterik der Jahrhundertwende - in Konzentrations- und Vernichtungslagern, in Lebensbornanstalten und in der "Ostkolonisation" niederschlugen.

"Insgesamt besticht das Werk durch seine zahlreichen Ausflüge, Exkurse sowie Querverweise in verschiedene Nachbarwissenschaften, um so die Nebenstränge gnostischen Denkens und Fühlens aufzuspüren. Insbesondere die therapeutischen Ansätze, die der Verfasser vorlegt, verdienen es, beachtet zu werden …"

Holger Nielen in Sakrament und Sakrileg

Rezensionen:
Neuen Zürcher Zeitung
Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung
u.a.

1. Auflage, edition-suhrkamp, 1997 (vergriffen)
2. Auflage, Alibri Verlag, Aschaffenburg, 1997. 18,- €; ISBN 3-932710-68-1

 

 

Kleinere Publikationen


Diverse Veröffentlichungen in Publikumsmedien (DIE ZEIT, NZZ, Die Presse, Bodenseehefte u.a.) sowie in Fachzeitschriften (Sprache und Literatur, Universitas u.a.).
Näheres auf Anfrage.

Zuletzt erschienen:

Religion und Frühe Kindheit, Das altindische Somaopfer, Embryonen in Kulthütten und ein Handschmeichler des Römischen Mithraskults; in: Die emotionale Dimension der Aufklärung (Jahrbuch für psychohistorische Forschung 16), hg. von Ludwig Janus et al., Heidelberg 2015, 113 ff.

Varuna – ein Gott des „archaischen Überich“; in: Der „innere Richter“ im Einzelnen und in der Kultur, hg. v. B. Steiner u. U. Bahrke, Gießen 2013, 49 ff.

Einige religionspsychologische Beobachtungen und Reflexionen zum Apam Napat von Panjikent;
in: Commentationes Iranicae (für Vladimir Aaron Livshits zum 90.), ed. Sergius Tokhtasev and Paulus Luria, St. Petersburg 2013, 31 ff. PDF auf Anfrage


sowie die Beiträge in den ...

Tagungsbänden der 'Lindauer Symposien für Religionsforschung':

Magie und Regression in Religion und Politik am Beispiel der altiranischen Magier
in: Magie und Religion (2010), 45 ff.

König Soma - „Tod“ und „Auferstehung“ eines indo-iranischen Königsgottes
in: Herrscherkult und Heilserwartung (2010), 49 ff.

Varuna, Ahura Mazda und Zarathushtra - Zur Genese des altiranischen Monotheismus
in: Echnaton und Zarathustra (2012), 119 ff.

Polytheismus, multiple Persönlichkeiten und die Formen der Rücksprache mit den Göttern im vedischen Indien - eine Annäherung über David Hume
in: Orakel und Offenbarung (2013), 109 ff.

Gestillt- und Abgestilltwerden: Ein Motiv des homo religiosus
in: Homo Religiosus (2014), 305 ff.

Kunst der Urgeschichte im Spiegel sprachdokumentierter Religionen
in: Höhlen, Kultplätze, sakrale Kunst (2016), 9 ff.

Mütter im Mythos
in: Höhlen, Kultplätze, sakrale Kunst (2016), 245 ff.