Exposé zu den

Lindauer Symposien für Religionsforschung

30. September bis 3. Oktober 2010
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Leitthema:


Echnaton und Zarathustra
Genese und Dynamik des Monotheismus


        Nach „Magie“ und Sakralherrschaft („Herrscherkult und Heilserwartung“) stellt die Frage nach der Entstehung von religiösem Antagonismus das dritte Thema der Lindauer Symposien für Religionsforschung dar, die sich der Erforschung der zahlreichen interreligiösen Konfliktzonen insbesondere zwischen Monotheismus und Polytheismus widmen wollen. Echnaton und Zarathustra gelten als die Ahnherrn des Monotheimus. Sie stehen hier pars pro toto für das Phänomen der gestifteten Religion und des so oft damit verbundenen religiösen Antagonismus, der Abkehr von den eigenen Traditionen und den anderen, als „Heidentum“ verworfenen Religionen. In diesem Symposion wollen wir der Genese, der Phänomenologie und den historischen Kontexten des religiösen Antagonismus nachgehen. Was sind religiöse Revolutionen, wie kommen sie zustande, wie wirken sie sich aus, welche Bedeutung haben sie im allgemeinen Gang der Religionsgeschichte, der meist eher im Zeichen der Evolution als der Revolution aufgefasst wird? Diese und verwandte Fragen sollen am Beispiel früher gestifteter Religionen wie Zoroastrismus und Amarna-Religion, Buddhismus, Christentum, Manichaeismus, Islam, aber auch des hinsichtlich seiner antagonistischen Energie ebenfalls als gestiftete Religion interpretierbaren israelitischen Monotheismus behandelt werden sowie anhand neuerer Beispiele wie der Reformation und der puritanischen Revolution in England. Auch die weiteren Spaltungen in Sekten und Bewegungen, die im Rahmen solcher im Zeichen von Bruch, Abkehr und Umsturz entstandenen Religionen erwachsen sind, gehören in diesen Zusammenhang, sofern sie sich in polemischer Opposition ihrer Mutterreligion und untereinander entgegenstellen.
        Woher beziehen die neuen Religionen ihre destruktive Energie, die sich typischerweise in Ikonoklasmus, Intoleranz bis hin zu physischer Gewalt, Verfolgung und Vernichtung Andersgläubiger äußert? In diesem Zusammenhang werden Begriffe wie Offenbarung, Wahrheit und Transzendenz zu untersuchen sein. Neue Religionen berufen sich zumeist auf Wahrheiten, die ihnen durch Offenbarung zugekommen sind, die ihren exklusiven Besitz darstellen und die doch zugleich eine universale, die ganze Menschheit betreffende Geltung haben. In diesem Widerspruch zwischen Exklusivität und Universalität liegt das Problem der betreffenden Religionen, das etwa in Lessings Ringparabel und ihren weit ins islamische und jüdische Mittelalter zurückreichenden Vorbildern seinen klassischen Ausdruck gefunden und bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.
        Schon der Iranist Anquetil Duperron (der allerdings von Echnaton noch nichts wissen konnte und der Zarathustra ins 6.Jh. v. Chr. datierte) hat im 18. Jahrhundert die annähernde Gleichzeitigkeit solcher mit universalem Wahrheitsanspruch auftretenden Persönlichkeiten und Bewegungen wie Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus, die jüdischen Propheten, die griechischen Philosophen und Tragiker festgestellt und von einer „großen Revolution des Menschengeschlechts“ gesprochen. Karl Jaspers hat diese Beobachtungen und Theorien auf den Begriff der „Achsenzeit“ gebracht und als deren entscheidende Signatur die Transzendenz bzw. Außerweltlichkeit der Wahrheit und des Göttlichen herausgestellt, auf der die neuen philosophischen und religiösen Welt-, Menschen- und Gottesbilder beruhen.
        Sowohl Echnaton (um 1350 v.Chr.) als auch Zarathustra (nach der heute üblichen Datierung Ende 2.Jt. v.Chr.) fallen aus dem engen Zeitfenster von Jaspers’ Achsenzeitkonzept (500 v.Chr. ± 200 Jahre) heraus, ebenso wie Jesus, Paulus und Mohammed, von Luther, Milton und Kant zu schweigen. Den Gedanken der Synchronizität wird man aufgeben müssen, die allgemeine Phänomenologie der Achsenzeit aber ist für unsere Frage nach Genese und Kontext religiöser Revolutionen von entscheidender Bedeutung



Alle Beiträge werden in einem Sammelband bei W. Fink veröffentlicht.        Tagungsbände


Allgemeines

        Die allgemeine Zielsetzung der Lindauer Symposien ist, gewichtige und fundierte religionswissenschaftliche Beiträge in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Die Beiträge sollen dabei zwar die Kriterien der Wissenschaftlichkeit erfüllen. Sie sollen aber auch an eine breitere Öffentlichkeit adressiert sein, sollen aktuelle Bezüge haben und – im weitesten Sinn – politische Perspektiven aufzeigen.
        Die Beiträge sollen dabei den bereits lebhaft beworbenen ‚Dialog zwischen den Religionen’ ergänzen; und zwar in zweifachem Sinn. Sie sollen zum einen Bekenntnis-unabhängige Reflexionen über Religion und Religionen zum Ausdruck bringen. Und sie sollen zum anderen Reflexionen publik machen, die – in der Tradition des „Kantschen Projekts“ – darauf abzielen, Formen des interkulturellen Dialogs auch neben den Religionen zu befördern.


Format

        Für die Referenten werden von Donnerstag bis Sonntag Zimmer im Hotel Reutemann, einem sehr guten Hotel am Lindauer Hafen, reserviert. – Wir bitten die Teilnehmer am Donnerstag Vormittag anzureisen. Bei weiter Anreise ist selbstverständlich eine zusätzliche Übernachtung möglich.
        Am Donnerstag Abend werden alle Teilnehmer zu einem Essen (voraussichtlich ebenso im Hotel Reutemann) geladen. Zum Abendessen geladen werden die Referenten auch am Freitag und Samstag. Wohin genau ist noch offen. Zum Programm gehört jedes Jahr auch eine Schifffahrt nach Bregenz.

 
Das eigentliche Symposium findet im Kleinen (Renaissance-) Saal des Alten Rathauses statt.

Donnerstag,

14.30 Uhr - 17.30 Uhr
  Kurze Begrüßungen, zwei Referate mit Diskussion, dazwischen Kaffeepause.
 
18.30 Uhr   Abendessen.
 


20.30 Uhr   Öffentlicher Abendvortrag.
Freitag,   9.30 Uhr - 12.00 Uhr   zwei Referate mit Diskussion, dazwischen Kaffeepause.
 

14.30 Uhr - 18.00 Uhr   drei Referate mit Diskussion
 

19.30 Uhr   Sünfzen.
Samstag,   9.30 Uhr - 12.00 Uhr   zwei Referate mit Diskussion
 

14.00 Uhr - 17.00 Uhr   drei Referate mit Diskussion
 

18.00 Uhr   Schiff.
Sonntag, ab 10.00 Uhr   Pressekonferenz (voraussichtlich im Hotel Reutemann) - Abreise.


Leitthema 2011: Homo Religiosus


Kontakte (am besten über email):

Prof. Dr. Jan Assmann
jan@assmanns.de

Dr. Harald Strohm

Bürstergasse 3, 88131 Lindau (B)
Tel. ++49 8382 72767 (nicht immer erreichbar, kein Anrufbeantworter)
mobil ++49 176 5111 5669
mail@harald-strohm.de



 







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