4. Lindauer Symposion für Religionsforschung

17. bis 20. Juli 2011
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Orakel und Offenbarung

Medien göttlicher Willensbekundung


Geladen und um Referate gebeten werden

Aleida Assmann, Karen Gloy, Bernhard Lang, Nikolai Grube, Manfred Schneider, León Wurmser, Reinhard Schulze, Raimar Zons, Burckhard Schnepel, Theo Sundermeier, Martin Mulsow – Beiträge leisten auch die Veranstalter: Jan Assmann und Harald Strohm.



      

Exposé

Die Götter oder die Gottheit nach der berühmten Frazerschen Definition mit „Magie“ zu zwingen, ist das eine Extrem, ihre Befehle und Botschaften passiv und als bloßes Sprachrohr nur zu „channeln“ und sich dem auferlegten Schicksal demütig zu unterwerfen, das andere. Zwischen ihnen spannt sich das Feld von Formen auf, in denen Menschen in umgänglichen Kontakt mit jener anderen Welt zu treten suchen.

Als geeignetes Medium der Kommunikation kommt dabei nicht nur die gewöhnliche Sprache mit ihren Möglichkeiten zu Klage und Beschwerde, zu Bekenntnis und Dank, zu Zweifel und Rückversicherung, zu Bitten und Beten in Betracht. Vertiefte Wirksamkeit scheint vielmehr von der ins Poetische und Musikalische gehobenen Sprache auszugehn: Lyrik und dichte Prosa, Gesang und Gesinge scheinen Ohr und Mund auf beiden Seiten zu öffnen und zu befreien. Desgleichen die geheimnisvolle, metaphorische und rätselhafte Rede, ja überhaupt das profan Schwer- oder Unverständliche, dessen Endpunkt im Verstummen liegt. Schon mancher Schamane, Seher, Prophet fand sich in dieser Not ...

Um die Gottheit zu Botschaften zu provozieren und sich für göttliche Bekundung zu öffnen werden neben poetischen auch psychedelische Methoden gepflegt und empfohlen: Drogen, Askese und Keuschheit, Einsamkeit und Anspannung (Yoga), Schlafentzug, ... wilder Tanz, Ausgelassenheit, Schmerz, Blutzoll und weitere Ekstasetechniken ...

Aber auch gänzlich averbale Formen scheinen das Göttliche ansprechen und seiner Botschaft Ausdruck verleihen zu können. Formationen und Termine des Vogelflugs, der Planetenbewegungen, Befunde von Lebern und anderer Eingeweide, geworfene Hölzchen, Kartenfolgen, Handlinien, ja Kaffeesatz und Lüscherkleckse ...: Sie alle scheinen das Zeug zum Tragen göttlicher Nachricht und menschlicher Anfrage zu haben – bedürfen aber gerade ob ihres averbalen Charakters um so dringlicher der beredten Rechtfertigung und Auslegung von Experten.—


In den vergangenen Jahren erwies sich die Freiheit der Referenten bei der Themengestaltung als günstige Voraussetzung für originelle Beiträge. Deshalb seien auch dieses Jahr nur einige Hauptlinien markiert, um die sich unsere Diskurse ordnen mögen:

Die phänomenologische und poetologische Analyse der Mantik und Mantrik wird wohl zu ergänzen sein mit psychologischen und psychoanalytischen Reflexionen im weitesten Sinn: Welche „intrapsychischen Mechanismen“ kommen hier zum Tragen? Inwiefern überschneiden sie sich mit Pathologischem, aber auch mit „Allzumenschlichem“ in anderen Nischen des Lebens ...?

Unerläßlich werden sodann die soziologischen Fragen sein: Welche Qualifikationen machen zum „Auserwählten“, welche Formen der Hierarchisierung, der Herrschaftskritik und Herrschaftslegitimierung kommen dadurch zustande ...? – Von daher werden sich auch gesellschafts-politische und Diskurs-theoretische Fragen stellen: Inwieweit sind Diskurse mit dem Göttlichen offen, frei und intersubjektiv kommunizierbar – und wie können Gesellschaften, die sich als offen und frei deuten, mit diesen randständigen und schwer greifbaren Kommunikationsformen konstruktiv umgehen ...?

Und nicht zuletzt wird die stille Leitfrage unserer ‚Lindauer Symposien ...’ aufzugreifen sein: Wie unterscheiden sich die primären und sekundären Religionen in ihrem Verständnis und in ihrem Umgang mit „Orakeln und Offenbarung“? Wie unterscheiden sich die in den meisten Religionen anzutreffenden Formen von Orakeln, Zeichendeutung und Wahrsagerei von den als Wort Gottes kodifizierten Offenbarungen der Schriftreligionen? Harald Strohm





Alle Beiträge werden in einem Sammelband bei W. Fink veröffentlicht.        


Allgemeines

       Die ‚Lindauer Symposien für Religionsforschung’ bieten ein Forum, um gewichtige und fundierte religionswissenschaftliche Beiträge in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Die Beiträge sollen die Kriterien der Wissenschaftlichkeit erfüllen. Sie sollen aber auch an eine breitere Öffentlichkeit adressiert sein, sollen möglichst aktuelle Bezüge haben und – im weitesten Sinn – politische Perspektiven aufzeigen. Ziel ist es, den bereits lebhaft beworbenen ‚Dialog zwischen den Religionen’ im Sinne des „Kantschen Projekts“ durch reflexive und interkulturelle Dialoge über die Religionen und neben den Religionen zu ergänzen.



Format

       Für die Referenten werden von Sonntag bis Mittwoch Zimmer im Hotel Reutemann, einem guten Hotel direkt am Lindauer Hafen, reserviert. – Wir bitten die Teilnehmer, im Laufe des Sonntags anzureisen. Das Symposion beginnt am Sonntag, 17. Juli, 18.00 Uhr – voraussichtlich mit folgender Gestaltung des erstens Abends:
       Wir treffen wir uns um 18.00 Uhr im Foyer des Hotels, gehen gemeinsam zum Schiff (Anlegeplatz 2)und fahren bis Kreßbronn. Von dort kurzer Transfer in eine „Wirtschaft“ im Hinterland. Nach dem Essen dort gehen wir (ca. 300 Meter) in die barocke „Kapelle am Schleinsee“. Dort findet in kurzer Ansprache die offizielle Begrüßung statt – gefolgt von einem meisterlichen Konzert für zwei Violincelli, vorgetragen von Julius und Hyun-Jung Berger. Anschließend Transfer zum Hotel.


 
Das eigentliche Symposium findet im Kleinen (Renaissance-) Saal des Alten Rathauses statt.

 Montag

9.30 Uhr – 12.00 Uhr

14.30 Uhr – 18.00 Uhr

19.00 Uhr

  zwei Referate mit Diskussion, dazwischen Kaffeepause.

drei Referate mit Diskussion, mit Kaffeepause.

Fahrt nach Bregenz, Abendessen.


 Dienstag

wie Montag – 20.00 Uhr   Abendessen Bürstergasse 3
Mittwoch wie Montag und Dienstag   voraussichtliches Ende gegen Mittag.


Leitthema für 2012: Homo Religiosus


Kontakte (am besten über email):

Prof. Dr. Jan Assmann
jan@assmanns.de

Dr. Harald Strohm

Bürstergasse 3, 88131 Lindau (B)
Tel. ++49 8382 72767 (nicht immer erreichbar, kein Anrufbeantworter)
mobil ++49 176 5111 5669
mail@harald-strohm.de

 





abzugsfähige Spenden bitte an:

Förderverein 'Lindauer Symposien für Religionsforschung' e.V.


Sparkasse Me-Li-Mi
Kto. 1001 3 1616 3
BLZ 731 5 0000